Holzturmbau im Wald.

Tag zwei der erlebnispädagogischen Arbeit mit einer vierten Klasse einer Neuköllner Grundschule.

Wer den ersten Teil gelesen hat, wird ahnen können, dass man nach solch einem erlebnisreichen Tag nicht so einfach in den Schlaf kommt.

Der zweite Tag sollte ganz klar von spannenden und neuen Aktionen bestimmt sein. Also einigten wir uns für den Vormittag darauf, mit den Kindern in den Wald zu gehen. An einem so heißen Tag keine schlechte Idee, da das Baden außerdem von den Eltern auf knöcheltiefes Wasser als maximale Tiefe begrenzt, da die Kinder nicht schwimmen konnten.

Schon ein einfacher Waldspaziergang ist ein füllendes Erlebnis für Kinder.

Wir gingen also als geschlossene Klasse in den nahe gelegenen Wald, wobei der Klasse die Aufsicht und Verantwortung, zusammen zu bleiben, übertragen wurde. Bis auf einen Ausreißer, einen kleinen Jungen einer Romafamilie klappte es schon ganz gut. Aber auch hier bemühte sich die Klasse, ihn zu integrieren. Zu beobachten war, dass solche in Waldspaziergang keine gewohnte Tätigkeit war. Das zu sehen löste Betroffenheit bei mir aus.

Heute möchte ich es vom Schreibstil her mal mit einer Gliederung versuchen!

 

Inhalt:

Aufgabe: Holzturmbau mit einfachen Bedingungen

Auf einer Lichtung angekommen, wurde eine Pause gemacht und ein Spiel vorgestellt. Die Klasse wurde von uns in vier Teams geteilt  und sollte durch das Aufstellen von herumliegenden Stöcken und Ästen den höchsten Turm bauen. Als zeitliche Vorgabe wurden dreißig Minuten angesetzt. Anschließend sollten die Türme von den jeweiligen Teams vorgestellt werden.

 

Absicht:

Durch Vorgabe der Teams, sollte die Kompetenz mit “fremderen” ein Ziel zu erreichen gefördert werden. Die Zeitvorgabe war gedacht, um die Teams im produktiven Arbeiten zu halten. Außerdem wollten wir beobachten, was die nahe Konkurrenz in Form der Türme mit dem Verhalten der Gruppen und einzelnen Kinder macht. Außerdem sollte nebenbei das Interesse für die Natur und Ängste vor Wald und Krabbeltieren abgebaut werden.

 

Beobachtungen:

Die fremdbestimmte Einteilung der Teams lief soweit gut, bis auf den kleinen Roma-Jungen, den am Anfang keiner im Team haben wollte. Die Kinde haben das aber auch selbst geklärt. Anfängliche Bedenken, abseits des Weges nach Holz zu suchen, bauten sich schnell ab. Außerdem sprachen sich die Kinder ab, wer für welche Aufgabe zuständig ist. Vereinzelt kam es zu gegenseitigem Holzklau und “Suchrevieransprüchen”. Was mich beeindruckte war, dass die Kinder den Schmerz bei kleineren Unfällen, die sonst eingeladen hätten einen Streit oder Tränen auszulösen, der Sache unterordneten und sich zusammen gerissen haben. Bei einstürzenden Türmen wurde sich gegenseitig motiviert und geholfen. Als ein Team befand, dass ihr Turm nicht mehr an Höhe zu übertreffen war, halfen sie sogar einem anderen Team bei ihrem Turm.

Was einem alles auffällt, wenn man es schafft ganz im hier und jetzt zu sein!

Als ich diesen Moment beobachtete und mich und meine Gefühle dazu in der Situation wahrnahm, wurde ich von einem wohligen Schauer übergossen. Gern hätte ich diesen Moment konserviert und ihn später der ganzen Klasse gezeigt. Aber dazu sind auch schon Ideen vorhanden. Beim nächsten mal bekommt jeder Erwachsene die Aufgabe, diese Momente zu fotografieren und sich das Gefühl dazu zu merken, um es später der Klasse/ Gruppe wiederzugeben.

Am Ende wurden die Türme der einzelnen Teams nacheinander mit einer ganzen Menge Stolz präsentiert. Außerdem sollten anschließend alle Türme zu einem Klassenturm vereint werden um der Aktion einen nachhaltigen Sinn zu geben.

 

Fazit der Lehrer/ Erzieher:

Zitat: “Echt cool, die könnten den ganzen Tag draußen bleiben, so gut wie die hier zusammenarbeiten!”

Kurzum, trafen wir mit der Aktion die Wünsche des vorherigen Abends nach mehr Aktionismus. Darüber hinaus entstanden bei den Lehrern viele Ideen, das Thema Wald auch in den Schulalltag zu integrieren. Außerdem begeisterte die Tatsache, dass man mit einem so einfachen Spiel so viel auslösen kann. In den Rollen des Spiels konnten bei den Kindern ganz neue Eigenschaften entdeckt werden, welche die Lehrer in der Reflexion benennen wollten.

 

Eigenes Fazit:

Vom Anspruch war die Übung passend und wirkte nicht überfordernd. Das Thema Wald ist meiner Meinung nach immer ein guter Hintergrund für gemeinsame Aktionen. Dadurch das die Kinder nur durch Zusammenarbeit Erfolge beim Turmbau hatten, konnte man an diesem Erlebnis gut aufbauen. Durch das gemeinsame Ziel einen Turm zu bauen, wurde der Umgangston wesentlich freundlicher als bei alltäglichen Situationen. Durch die Vorgabe eines Zieles, den zeitlichen Druck und die benannten Regeln wurde den Kindern ein gemeinsamer Rahmen zur Orientierung vorgegeben. Der Mensch im allgemeinen funktioniert halt besser mit Struktur, Gliederung, Regeln und Zielvorgaben. ( auch mein persönliches Dogma 😉 )

 

Reflexion:

Methode: Standogramm (quelle: http://www.sn.schule.de/~sud/methodenkompendium/module/ansatz1/3_2_23.htm)

Die Reflexion fand direkt im Anschluss auf der Lichtung im Kreis statt. Meine Co-Trainerin arbeitete dabei spontan mit einem Standogramm, Superidee. Anschließend forderte sie dazu auf, einen Schritt nach vorn zu gehen, wenn man bemerkt hat das die Zusammenarbeit gut geklappt hat. Zack ging die Masse einen Schritt vor. Auf die Kinder die stehen blieben gingen wir kurz einzeln ein. Anschließend sollten alle vortreten, die sich immer eine so gute Zusammenarbeit wünschen würden. Hierbei gingen alle Kinder einen Schritt nach vorn und man konnte einen Anflug von Rührung bei Lehrerin und Erzieherin beobachten. Anschließend ging die Klasse zurück zur Ferienanlage um Mittag zu essen.

Da ich ein totaler Freund von “weniger ist mehr” bin, hat sich das ganze Spiel nur für die zwei kurzen Fragen gelohnt. Schön wenn das was man bewirken möchte dann auch für die Kinder spürbar wird.

Am Nachmittag machten wir dann noch ein Spiel, bei dem ein Fass mit Löchern, unter gemeinsamem Einsatz mit Wasser befüllt werden sollte. Um mich kurz zu halten, gehe ich darauf nicht im Detail ein, sondern melde mich im nächsten Bericht mit dem Highlight des nächsten Tages.

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim lesen. Ich persönlich finde die Gliederung gut. Da ist es wieder, dieses Ding mit Struktur und Rahmen. 😉

Welche persönlichen Erkenntnisse hat euch der Wald schon vermittelt und vor welchem Abenteuer steht ihr beim Thema Wald?  Bei mir ist es immer noch die Singleübernachtung nach meinem ersten erfolglosen Versuch. Aber das Thema steht nach wie vor, denn draußen ist immer!

Die Rechtschreibung wird wie immer sekundär betrachtet. 😉 Liebe Grüße euer Gregor

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