Erlebnispädagogikbericht eins von vier

Hallo zusammen, ich wollte mal wieder von mir hören, eigentlich ja lesen lassen. In der letzten Woche hatte ich mal wieder einen Auftrag zum Thema Erlebnispädagogik, den ich als so wertvoll und wichtig empfinde, dass ich darüber berichten möchte. Dabei schreibe ich wie immer frei von der Leber weg, da es mir immer dann am besten gelingt, wenn ich nicht ewig darüber nachdenke, wie man das nun so am besten formulieren könnte. Da ich in den vier Tagen so viel erlebt habe, möchte ich auch gern vier Beiträge daraus machen. Da ich die Persönlichkeit der Personen waren möchte, erwähne ich nur die Personen mit Klarnamen, die mir ihre Erlaubnis dafür gaben. In dem Sinne schon einmal vielen Dank.

Worum ging es?

Ich hatte mit weiteren fünf Trainern und Erlebnispädagogen die Aufgabe, drei vierte Klassen einer Grundschule aus Neukölln bei ihrer Klassenfahrt  zu unterstützen. Ich hatte also mit meiner Co-Trainerin eine eigene Klasse von einundzwanzig Kindern, sowie einer Erzieherin und der Lehrerin, die fest zu der Klasse gehörten.

Eine eigene Klasse zu haben, ohne Lehrerstudium? Erlebnispädagogik macht´s möglich! 🙂

Das Ziel der Schule und des Auftraggebers, der Firma Teamwork Srausberg um ihren Chef Uwe Prinz war es, die Kinder in gemeinsame Aktionen zu bringen. Dabei sollte die Kommunikation verbessert und ein wertschätzenderer Umgang untereinander und zu den Lehrern hergestellt werden. Die Botschaft eines Vorgespräches war in ungefähr so, “niedrigschwellig, einfach und kurzweilig”. Außerdem wurde besprochen, dass die Klasse einen hohen Anteil ausländischer Kinder besitzt. Was um genau zu sein am Ende hieß, dass wir bei einundzwanzig Kindern ein deutsches Kind dabei hatten. Aber so ist das nun einmal an einer neuköllner Schule. Aus vorherigen Arbeiten, unter anderem mit Flüchtlingskindern oder höheren Klassen mit reinem ausländischen Anteil wusste ich, dass sich immer Wege der Kommunikation finden, und wenn es nur ein vertrautes Lächeln und gemeinsames Spielen ist.

Entscheidend ist in meinen Augen der Anfang, die Regeln des Umgangs und der Kommunikation zu definieren und dabei auch ehrlich und offen mit Ängsten und Problemen umzugehen.

Tag 1

Ich packte am Montag den 12.09.2016 meine Sachen in den Bus und machte mich auf den Weg. Wir sollten vier Tage in einer Kinderferien- und Freizeitanlage im Südosten Berlins untergebracht sein. Durch ein paar wenige Lehrgänge bei meinem langjährigen Arbeitgeber in grün, hatte ich keine Probleme damit, nicht zu Hause schlafen zu dürfen. Das man dafür die Lieben daheim lässt und nicht um sich hat, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber wer das eine will…. . 😉

Am diesem Montag gab es außer dem beziehen des Bettes auch noch einiges zu tun. Elf Uhr gab es die ersten Absprachen mit der Co-Trainerin, der ich an dieser Stelle nochmal für ihr Engagement und ihren Einsatz danken möchte. Ohne ihren ausgiebigen Fundus an erlebnispädagogischen Spielideen, wäre ich ganz schön aufgeschmissen gewesen. Außerdem gab es vor dem Mittag noch eine Besprechung mit allen Trainern, um das gemeinsame Vorgehen und interne Regeln zu definieren. Darüber hinaus gab es noch wichtige Details aus Erfahrungen früherer Zusammenarbeit und Vorgesprächen mit dem Kunden.

Um 14:30 Uhr sollte es mit einer Geländebegehung beginnen, die Uwe als Anführer mit drei Klassen, unter intensivem koordinativem Einsatz durchführte. Dabei ergab sich eine gute Chance, die Klasse kennen zulernen und ersten Kontakt zu den Lehrern aufzubauen. Fragen über Fragen kamen bei den Kindern auf, die anfänglich geduldig beantwortet wurden, aber irgendwann anhand ihrer schieren Masse auf später vertröstet werden mussten.

Anschließend ging es in unseren mit “Clubraum” bezeichneten Klassenraum. Irgendwie ist es immer etwas kribbelig, einen Anfang bei so vielen fragenden Augenpaaren im Stuhlkreis zu machen. Wir wollten natürlich so schnell wie möglich die Namen von den Kindern lernen und wissen welche Erwartungen die Kinder mitbringen. Also fingen wir mit einer Fragerunde an, wo sich die Kinder hinstellen, ihren Namen sagen und die Frage beantworten sollten.

Wenn man sich selbst nicht zu fein ist vorzumachen, gewinnt man schneller an Akzeptanz und schafft es trotzdem authentisch und ernsthaft zu bleiben.

Nachdem man erstmal selbst vorgemacht hatte und sich natürlich nicht zu fein war eine Frage zu beantworten, lief das Spiel langsam an. Fragen wie: Wer hat einen Hund?, Wer war wo im Urlaub? Wer hat Geschwister? und final natürlich, Wer hat noch gar nicht vor seinem Stuhl gestanden? ;-), ließen alle etwas sagen und den ein oder anderen Namen sogar wiederholen. Mir und später auch meiner Co-Trainerin gelang es gegen Mitte des nächsten Tages alle Namen auswendig zu können. Bis auf den Namen eines Kindes, waren alle Namen keine typisch deutschen Namen, was den Schwierigkeitsgrad unwesentlich erhöhte.

Außerdem wollten wir natürlich noch die gemeinsamen Regeln, für den Umgang in den nächsten vier Tagen definieren. Eigenschaften wie zuhören, ausreden lassen, Zusammenarbeit und Respekt gingen den Kindern wie eingeübt über die Lippen. Daran merkte man gleich, dass diese Runden mit solchen Schlagwörtern auch im Schulalltag angewendet wurden. Der fiese Erlebnispädagoge erkennt diese Eigenschaft natürlich und hackt gern im Detail nach, wie sich den zum Beispiel Respekt für den Einzelnen ausdrückt und an welchem Verhalten man Respekt bei ihr oder ihm bemerkt. Auf einmal waren die Kinder auch im arbeiten und mussten erst einmal nachdenken. Somit waren die Regeln aber trotzdem schnell definiert und wurden auf dem Flipchart festgehalten. Das die Regeln zwar bekannt aber dennoch recht schwer dauerhaft anzuwenden waren, zeigte sich weil wir oft unterbrochen wurden. Wenn man dann allerdings einfach nicht weiter redet und bei dem gesagten wieder ganz von vorn beginnt, beginnen die Kinder recht schnell sich gegenseitig zu ermahnen und zu erinnern. Funktioniert meist recht gut und zu einer sich selbst vernünftig regulierenden Gruppe, wollen wir ja schlussendlich hin.

Bei einundzwanzig Kindern dauert das beschriebene Prozedere ungefähr zwei Stunden und man konnte zunehmend beobachten, wie Kinder und Lehrer unruhiger und abgelenkter wurden. Also wollten wir die Ausdauer natürlich zum einen loben und auch nicht künstlich überstrapazieren. Daher gab es gegen 17:30 Uhr eine verfrühte Auszeit und dreißig Minuten Zeit bis zum Abendbrot.

Pädagogischer Lehrplandruck vs. erlebnispädagogische Gelassenheit, ein Kunststück dort Verknüpfungen zu schaffen.

Beim anschließenden Leher-Erzieher-Erlebnispädagogen-Gespräch wurde uns erst bewusst, wie sehr sogar unsere beiden Lehrer unter der Länge dieser Aktion gelitten haben. Erlebnispädagogik hätten sie sich schon des Wortes wegen anders vorgestellt. Da wurde mir das erste mal der gravierende Unterschied und ein (noch) großes Problem unserer Methoden bewusst. Der Lehrer hat fünfundvierzig Minuten um Wissen zu vermitteln und den Lernstoff durchzubringen. Ein Erlebnispädagoge hat drei Stunden Zeit um bei lauten Kindern auf die Ruhe zur Begrüßung zu warten. Daher zweifelten die Lehrer anfänglich auch an der Anwendbarkeit unserer Methoden in ihrem Schulalltag. Gut das wir dieses Problem schon am Anfang erkannten und darauf eingehen konnten.

Für den nächsten Tag versprachen wir wesentlich mehr Aktion, was auf offene Ohren stieß und am nächsten Tag noch für ordentlich Müdigkeit am Ende des Tages sorgen sollte.

Ich war auch ziemlich platt und aufgrund des nicht existierenden Funknetzes, konnte man sich wenigstens aufs schlafen und ausruhen konzentrieren.

Eigenes Fazit für den Tag: Die Lehrer auf unsere Seite zu bekommen, wird etwas Arbeit bedeuten. Die Kinder sind entspannter als vorher angenommen. Morgen muss Action stattfinden um Erlebnispädagogik den statischen Beigeschmack zu nehmen. Und zuletzt: weniger ist oft mehr.

Das Gefühl habe ich übrigens auch bei meinen Texten und werde versuchen bei dem nächsten Bericht kürzer und prägnanter zu schreiben.

Zu guter Letzt der Beweis, dass wir gut untergebracht wurden. erlebnispaedagogik-bericht-2

Vielen Dank fürs lesen und ich freue mich wie immer über nette Kommentare, Wünsche und Anregungen. Liebe Grüße Gregor

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