Warum? Isso!

War früher die Antwort. Ich schreibe den Beitrag um dieses Thema aus dem Kopf an andere heranzubringen und nicht um aufzutragen oder mich herauszustellen. Ich war noch nicht einmal in einem Einsatz und wurde dafür oft von Kameraden belächelt, zu Unrecht wie ich finde. Dazu stehe ich! Als ich aber merkte was für ein Loch sich schon ohne Einsatz vor mir auftat, will ich an vier, sechs oder mehr Monate nicht einmal denken und habe den höchsten Respekt vor diesen Kameraden. Die Gespräche, die ich darüber im Soldatenkreis führte, waren mehr als bewegend.

 

Warum wird das Thema hier behandelt? Man nimmt den Menschen mit seiner Vergangenheit an und diese ist über die Gegenwart mit der Zukunft verbunden. Gerade in meinen heutigen beruflichen Themen wie Empathie, Akzeptanz, Verständnis und Zuhören finde ich es wichtig sich auch mal aussprechen zu dürfen.

 

Aktuell geht die 22-Push-Up Challenge um den Globus und so viele Kameraden und uniformell Gleichgesinnte aller Nationen waren in den Netzwerken zu sehen. Der Stolz, die Gefühle der Verbundenheit und zum Schluss das Déjà-vu, wie immer.  Außerdem ist die Vergangenheit immer mit dabei. In Bildern, Unterhaltungen mit Freunden, gelegentlichen Themen und sogar in der Kommunikation. Privileg und Last zugleich, denn schöne Erinnerungen wiegen schwer.

 

Manchmal braucht es nur die Sonne in einem richtigen Winkel über der Landschaft und man ist sofort wieder drin.

 

Was für eine wilde Zeit. Erinnerungen an Übungen, Lehrgänge, Kameradschaftsabende und spannende Schießvorhaben schwirren mir durch den Kopf. Momente in denen Verantwortung übertragen wurde und man diese als höchstes Gut behandelte. “Absicht der übergeordneten Führung”, war stets eine Mindestforderung, die es zu übertreffen galt!

 

Kameradschaft. Ein höheres Maß, für den anderen einzustehen, habe ich nie erlebt!

 

Morgendlicher Nebel auf Lichtungen, über die in Ausrüstung bis zur Überlastung eingezwängte Gestalten, mit ihrem Gewehr behangen im Laufschritt daher trotten. Bis über beide Ohren entschlossen, Marschzeiten, Geländeabschnitte oder Aufklärungsergebnisse zu erreichen. Ständige Konkurrenz der Gruppen, sich gegenseitig zu übertreffen und den persönlichen Ehrgeiz zu übersteigern. In Gruppen- oder Zugstärke aus einem Flugzeug zu springen und davon nicht genug zu bekommen. Und jetzt sitzt man da und fragt sich wie man damals den Mut dafür hatte. Schon bei dem Gedanken bekommt man einen Puls wie ein Kampfpilot. Ja natürlich war ich nur Automatenspringer, für alle die jetzt gleich aufschreien, dass es ja solche und solche gibt. Darum geht es mir nicht.

Auch schon die einfachen Vorhaben hatten ihren eigenen Reiz. Ich war immer lieber draußen als im Dienstzimmer. Von meinem letzten Spieß gab es ein anerkennendes Lächeln als ich mich aus der warmen Büroabteilung heraus, in einen Jägerzug als Ausbilder versetzen ließ. Seine verwunderte Frage, warum ich zum Dienstzeitende noch so brannte, nachdem er festgestellt hatte, dass ich gar nicht Berufssoldat werden wollte, konnte ich nur mit “weil es mir Spaß macht!” beantworten. Denn so war es einfach auch.

Einfach machen und den Kopf ausschalten können, weil die Handgriffe und Kommandos sitzen. Eine schöne Sache.

 

Wenn man heute seine Joggingrunde im langsamen Tempo läuft, erwischt man sich ab und an, wie die rechte Hand unbewusst in Brusthöhe getragen wird und der linke Arm lang ist. Warum? Ich war Rechtsschütze und da besteht wohl noch eine Verknüpfung im Hirn, die einen gewohnte Haltungen einnehmen lässt. Oft überkommt mich dann eine Gänsehaut und das innere gute Gefühl, Teil eines speziellen Kreises an Menschen gewesen zu sein.

 

Woran ich mich nicht erinnere ist die Langeweile, das manchmal endlose “Warten auf Weiteres”, die dauernde Pendelei mit unzähligen Stunden auf deutschen Autobahnen und die “langsame Mühle Bundeswehr”.

 

Aber wo steht man jetzt mit diesen Gefühlen? Allein denkt man oft. Aber schon wenn man mal wieder zusammen sitzt merkt man, das dem nicht so ist.

 

Die verschiedenen Versuche als Reservist aktiv dabei zu sein, waren zwar schön, brachten aber das alte Gefühl nicht wieder.  Dem steht natürlich auch der spürbare Wandel in der Truppe entgegen. Gelebte Kameradschaft, die spürbar war, gibt es für mich schon lange nicht mehr. Für einen entscheidenden Schritt, Kameradschaft abzuschaffen, empfand ich rückbetrachtend den Befehl, dass entfernt wohnende Soldaten sich ab dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr eine Wohnung am Dienstort suchen sollten. Wir machten zwar das Beste daraus und gründeten eine Soldaten-WG, aber die gemeinsamen Koch-, Spiel- und manchmal auch Trinkabende mit mehr als zwanzig Gleichgesinnten waren vorbei. Auf den aktuellen Stand in der Truppe möchte und kann ich persönlich nicht eingehen.

 

Was macht man nun mit der Zeit danach?

 

Da ich nicht in den Genuss kam eine zivilberufliche Qualifikation während der Dienstzeit zu erwerben muss man sich wohl danach einen Kopf machen. Am BfD kann ich kein böses Haar lassen, da ich merkte, dass vieles möglich ist wenn man sich bemüht nachzufragen. Aber speziell darauf und auf die Zeit danach möchte ich noch einmal gesondert eingehen, da ich dem ehemaligen Soldaten einige wichtige Schlüsselqualifikationen zuordne, die jeden zukünftigen Arbeitgeber im Kreis grinsen lassen.

 

Was ist geblieben?

 

Irgendwie klingt der Text für mich bis hier sehr schwer und deprimierend. Daher möchte ich mal überlegen was Gutes geblieben ist. Außerhalb der Bundeswehr suchte ich mir automatisch Themen, bei denen man sich schon früher wohlfühlte. Ausbilden, Anleiten und Führen, gemeinsames Erreichen von Zielen mit der sozialen Betrachtung des “Befehlsempfängers”. Ob als Erlebnispädagoge oder Trainer anderer Art ist es ein verlagerter Kampf an anderen Fronten, der auch nicht immer einfach ist. Außerdem blieb die Liebe zum Sport, der Natur und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Hinzu kam unendliche Freiheit, die schon in der “zweckmäßigen” Kleidungswahl beginnt.

 

Alles in allem wollte ich das Thema einfach einmal loswerden und vielleicht denen, die damit auch zu tun haben sagen, dass es nicht nur ihnen so geht. Ich habe die BW als Oberfeldwebel verlassen und trage auch den Dienstgrad des Hauptfeldwebel der Reserve mit einem gewissen Stolz. Meine letzte Reserveübung war im März 2016 und beinhaltete eine Ausbildung zum Schießausbilder. In dieser Tätigkeit fühle ich mich auch sehr wohl.

 

Außerdem interessiert mich, welche Wege ihr gefunden habt und ob ihr vielleicht helfende Tipps habt. Schreibt mir dazu gern per Mail, da ich das Thema für sensibel halte. Danke fürs Lesen. Ich glaube daran, dass einige da draußen sitzen, denen es ähnlich geht. Liebe und auch kameradschaftliche Grüße, Gregor.

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